Die Voralpen – Traumpfad München-Venedig

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Tag 1: Marienplatz – Wolfratshausen

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Am 08.08.2015 fiel der Startschuss zur großen Alpenüberquerung. Los ging es mit 4 Mann morgens um 6 Uhr von Balingen in Richtung Bad Tölz, dem Ziel unserer zweiten Etappe. Die Fahrt verlief ohne größere Vorkommnisse, von ein paar Umleitungen mal abgesehen, so dass wir gegen 10 Uhr in Bad Tölz ankamen. Leider mussten wir hier feststellen, dass der Zug nach München erst wieder in einer Stunde fährt. Wir haben dann gleich nochmal die Zeit genutzt um einkehren zu gehen.

Der wirkliche Start dieser Etappe, auf dem Marienplatz in München, war dann erst 12:30 Uhr, da die Bahnfahrt doch eine Weile gedauert hat und wir in München auf dem Bahnhof noch eine Weile nach der richtigen Bahn zum Marienplatz suchen mussten.

Start in München auf dem Marienplatz

Die ersten beiden Tage führt der Weg mehr oder weniger direkt an der Isar entlang, auf der unglaublich viele Leute in Schlauchbooten unterwegs waren, die wohl bei dem heißen Wetter eine kleine Abkühlung gesucht haben. Fürs wandern war das Wetter schon fast zu gut, so dass ich an diesem Tag fast 6 Liter getrunken habe. Immerhin ging es größtenteils im Schatten der Bäume am Ufer entlang, so dass wir nur ganz selten in der direkten Sonne laufen mussten.

Der Weg am Ufer der Isar war zwar schön, allerdings ist die erste Etappe gleich eine der längsten der gesamten Tour und auf Dauer doch recht eintönig. Zum Glück waren wir noch frisch ausgeruht. 24 km später haben wir dann eine Pause zum Abendessen eingelegt, nach der ich mit Bianca alleine weiter gegangen bin. Die älteren Herrschaften waren nämlich k.o. und haben es vorgezogen, die letzten 10 km mit dem Taxi zurück zu legen. Immerhin konnten wir ihnen gleich noch ein bisschen Gepäck mitgeben, so dass der Rest des Weges nicht mehr ganz so anstrengen war. Auf diesen letzten Kilometern, auf denen der Weg größtenteils auf einem Damm verlief, wurden wir von ganzen Mücken-Schwärmen verfolgt und haben zahlreiche Stiche davongetragen.

Im Hintergrund die Isar

Da es mittlerweile schon nach 21 Uhr war, fing es langsam an dunkel zu werden, was uns auf den letzten Kilometern nach Wolfratshausen noch zum Verhängnis werden sollte. Der Weg führt hier nämlich durch einen dichten Wald, so dass wir kaum noch etwas sehen konnten, was schließlich dazu beigetragen hat, dass wir eine Abzweigung verpasst haben. Anfangs konnte man zwar noch einen Weg erkennen, allerdings wurde dieser immer kleiner und am Ende war er mehr oder weniger ganz verschwunden. Ungünstiger Weise war meine Taschenlampe mit dem Taxi unterwegs nach Wolfratshausen und Bianca hatte seit unser letzten Bergtour die Batterien ihrer Lampe nicht mehr gewechselt. Während wir also durch das zunehmend feucht und rutschig werdende Unterholz gekrochen sind, konnten wir förmlich zusehen, wie das Licht der Lampe immer mehr abnahm.

Auf dem Campingplatz

Nervlich schon leicht am Ende hat uns letztendlich eine vorbeifahrende Bahn „gerettet“. Wir haben uns also in Richtung der Gleise durchgeschlagen und waren endlich wieder auf dem Weg, auf dem wir eigentlich hätten langlaufen sollen.

Somit kamen wir nach einem ziemlich langen und am Ende recht abenteuerlichen ersten Tag um 22:30 Uhr in Wolfratshausen auf dem Campingplatz an. Unser Zelt war zum Glück schon aufgebaut, so dass wir uns nur noch zur wohlverdienten Ruhe hinlegen mussten.

Tag 2: Wolfratshausen – Bad Tölz

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Auf Grund der Anstrengungen des letzten Tages, ging es heute Morgen (natürlich nach dem Besuch des örtlichen Teigwarenherstellers) erst gegen 10:30 Uhr los. Wobei der oberste Boykotteur gleich zu Beginn angemerkt hat, dass er heute nur ein Stück mitläuft und danach zum Auto fährt. Den Füssen hat man die Strapazen des letzten Tages anfangs natürlich noch angemerkt, doch nach wenigen Kilometern ging das Laufen schon wieder ohne Probleme.

Der Weg ging, wie gestern auch schon den ganzen Tag, wieder an der Isar entlang. Heute allerdings mit ein paar kleinen Hügeln dazwischen. Nach drei Stunden mussten wir dann den ersten Verlust beklagen. Wie angekündigt, fuhr das Väterchen mit dem Bus weiter zum Auto.

Nach sechs Stunden war dann auch für Bianca Ende, da es schon 16:30 Uhr war, noch zwei Stunden vor uns lagen, ihr die Füße ziemlich weh taten und noch vier Stunden Rückweg mit dem Auto dazu kamen. Immerhin musste Bianca nicht extra mit dem Bus fahren, sondern wurde ganz bequem mit dem Auto abgeholt (das sogar extra ein paar kühle Getränke für die Mannschaft mitgebracht hat!).

Von nun an nur noch zu zweit, ging es dann ohne Schatten in der prallen Sonne weiter und dass noch für gute zwei Stunden. Gegen Ende mussten wir dann immer öfter Pausen einlegen, weil die Füße ziemlich wehtaten. Somit kamen wir erst gegen 19:00 Uhr in Bad Tölz an.

Durch einen kleinen Lesefehler sind wir natürlich, auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit, erst einmal an das falsche Ende der Stadt gelaufen. Als wir wieder am Ausgangspunkt zurück waren, haben wir an der Touristeninfo die Nummer von der hiesigen Jugendherberge rausgesucht, in der wir dann auch die Nacht verbracht haben. Da die Jugendherberge etwas außerhalb der Stadt gelegen ist, sind wir mit dem Taxi bis vor die Haustür gefahren und anschließend noch zu Fuß zum Burger King gelaufen.

Alles in allem war es wieder, unter anderem wegen der Hitze, ein anstrengender Tag an dem wir auch erst wieder spät ins Bett gekommen sind.

Tag 3: Bad Tölz – Tutzinger Hütte

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Auf Grund der Lage der Jugendherberge mussten wir heute die ersten 30 Minuten des Tages damit verbringen, zum eigentlichen Ausgangspunkt der Etappe zu laufen, von dem wir diesmal schon um 9:00 Uhr gestartet sind. Vorbei an „Klein Kairo“ hieß es nach einigen Kilometern Abschied von der Isar nehmen, die uns die letzten beiden Tage begleitet hat und nicht von unserer Seite gewichen ist. Ab hier ist auch das Alpenvorland zu Ende. Das heißt, vorbei mit den flachen Wegen und ab ins Gebirge; die ersten Höhenmeter warten schon.

Klein Kairo

Nach einer kleinen Verschnaufpause in Lenggrieß, bei der wir uns im Edeka nochmal mit Getränken und Essen eingedeckt haben, ging es weiter zur Bergbahn. Ich bin den Berg hochgelaufen, während das Mütterchen sich gemütlich von der Gondel hat hochschippern lassen. Obwohl es nach wie vor ziemlich heiß war, gingen die ersten Meter des Aufstiegs ohne Probleme, da man ständig im Schatten der Bäume unterwegs war. Erst die letzten Meter, jetzt auf freier Fläche in der prallen Sonne, wurden ziemlich anstrengend. Unterwegs traf ich noch einen anderen München-Venedig-Wanderer, der mir erzählte, dass am 08.08. um 8:08 Uhr jedes Jahr eine Art „Massenstart“ der München-Venedig-Wandere auf dem Marienplatz ist. Bei genauerer Betrachtung stand das zwar auch so im Reiseführer, ich konnte mich aber irgendwie nicht mehr richtig daran erinnern.

Endlich oben angekommen nahmen wir noch ein Getränk zu uns, dessen Bestellung wirklich ewig dauerte und setzten unseren Weg danach in Richtung Tutzinger Hütte fort. Von der Bergstation der Seilbahn führt der Weg hier in einer wunderschönen Gratwanderung in drei Stunden zur Hütte. Teils mit leichten Kletterpassagen geht der Weg in einem ständigen Auf und Ab scheinbar ewig entlang des Grates und so musste ich mir unter anderem anhören, dass „.. ich jetzt aber nicht mehr nach unten gehe..“

Hier durften wir auch das erste Mal feststellen, dass die Zeitangaben auf den Wegweisern mitunter total irreführend sind. Auf einem der Schilder konnte man z.B. lesen, dass es noch 1,5 h bis zur Hütte sind und gute 30 Minuten später, steht auf dem nächsten Schild, dass es immer noch 1,5 h dauert.

Die letzten Meter zur Tutzinger Hütte

Gegen 18 Uhr endlich an der der Hütte angekommen, mussten wir feststellen, dass durch den Massenstart am 08.08. die Hütte fast komplett belegt war. Die Wirtin hat uns dann auch gleich gesagt, dass wir bei den anderen Hütten besser vorreservieren sollten, da diese eher kleiner als die Tutzinger Hütte sind. Für heute hatten wir jedenfalls nochmal Glück und wurden in einem Zimmer mit zwei anderen Personen untergebracht. K.o., wie auch an den folgenden Tagen, sind wir nach dem Abendessen recht schnell ins Bett gegangen um uns möglichst lange erholen zu können.

Tag 4: Tutzinger Hütte – Hinterriß

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Frisch ausgeruht, wurde uns heute Morgen das wirkliche Ausmaß des „Massenstarts“ am 08.08. erst richtig bewusst. Mit uns starteten gut 30 München-Venedig-Wanderer, von denen wir am Anfang gleich mal einen ganzen Haufen überholt haben. Gleich zu Beginn galt es, ordentlch Höhenmeter zu machen, nur um nachher alles wieder abzusteigen. Der gesamte Abstieg verläuft aber entlang eines Baches mit zahlreichen Gumpen; war also nie langweilig.

Mittagspause haben wir auf vermeintlich halber Strecke im beschaulichen Örtchen Jachenau gemacht. Glücklicherweise bemerkten wir beim Essen noch, dass der hiesige Dorfladen in 5 Minuten zumacht und konnten uns deshalb in letzter Minute nochmal mit Getränken eindecken.

Auf die Empfehlung der Wirtin von der Tutzinger Hütte hin, wollten wir während unserer Pause auch gleich noch die nächsten zwei Übernachtungen reservieren. Wie sich herausstellte, war allerdings schon alles restlos belegt, so dass uns erstmal nichts anderes übrig blieb, als weiter zu gehen und vor Ort spontan nach einer Übernachtung zu suchen.

Über Wiesen verläuft der Weg weiter an einem Gehöft vorbei, auf dem ein angriffslustiger Hund sein Unwesen treibt. Selbst Leute auf die ich später während der Wanderung traf konnten sich noch gut an diesen Hund erinnern. Außer etwas Gebell ist aber zum Glück nichts passiert. Nach den letzten Höhenmetern des Tages ging es in schier endlosen steilen Kehren, immer mit tollem Ausblick auf das Rißtal, hinab nach Vorderriß, dem eigentlichen Etappen-Ziel des heutigen Tages.

In Vorderriß angekommen mussten wir aber feststellen, dass die Unterkunft, die wie wir ja schon wussten voll ist, die einzige im gesamten Örtchen ist. Ein Pärchen, das ebenso wie wir keinen Platz mehr bekommen hat, gab uns den Tipp, dass es im nächsten Ort ein Hotel gibt von dessen Besitzer sie demnächst abgeholt werden. Da ich aber unbedingt den gesamten Weg zu Fuß zurücklegen wollte, haben „wir“ uns schließlich dazu entschlossen bis zum Hotel zu laufen. Immerhin noch 11 km!

Der Weg war, wie schon im Wanderführer angepriesen, eine schier endlose Latscherei immer an der Straße entlang. Sogar der Besitzer des Hotels, mittlerweile mit dem Pärchen von vorher im Auto, hat sicher erkundigt, ob er uns nicht auch mitnehmen soll, was wir dankend abgelehnt haben.

Aufgrund der zusätzlichen Kilometer, kamen wir wieder erst um 19:45 Uhr an. Nur eine Viertelstunde, bevor die Küche geschlossen hätte. Perfektes Timing also! Die Füße schmerzten wieder ordentlich(vor allem vom Laufen auf der Teerstraße) und ein bisschen Gejammer musste ich mir auch anhören, aber alles in allem wieder ein weiterer gelungener Tag. 

Der Traumpfad München-Venedig – Erfahrungsbericht

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