Das Karwendel – Traumpfad München-Venedig

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Tag 5: Hinterriß – Kastenalm

Gehzeit
0 h
Strecke
0 km
Aufstieg ↑
0 hm
Abstieg ↓
0 hm

Da wir gestern schon 10km von der heutigen Etappe gelaufen sind, beschlossen „wir“ es heute genauso zu machen und wieder etwas weiter zu laufen. Ziel war es, eine Etappe herauszulaufen um nicht immer mit den Massen an München-Venedig-Wanderern vom 08.08. anzukommen. Zumal wir ja auch schon wussten, dass die Unterkunft am Etappenziel wieder ausgebucht war.

am Karwendelhaus

Wie auch gestern, begann der Tag mit einem Aufstieg. In vier Stunden bis zum Karwendelhaus, das wir gegen 13 Uhr erreichten. Immerhin 900 hm. Nach einer kleinen Stärkung starteten wir um 14:30 zu den nächsten 900 hm des heutigen Tages. In praller Sonne aufwärts durch Schutt und Geröll in Richtung Birkkarspitze.

Ab 15:30 Uhr mussten wir dann immer mehr Pausen machen. Das gute Mütterchen konnte nicht mehr. Und das, obwohl wir noch nicht mal die Hälfte des Weges zur Birkkarspitze, geschweige denn vom Abstieg, zurückgelegt hatten. Die einzige Lösung war, dass wir uns hier trennen. Ich ging weiter und sie wieder zurück, um mit dem Taxi zu fahren. Wir verabredeten uns für den darauf folgenden Tag in Hall, von wo aus wir wieder gemeinsam weiter laufen wollten.

Da es nun etwas schneller voran ging, erreichte ich den Sattel der Birkkarspitze um 17 Uhr. Der Abstieg auf der anderen Seite ist allerdings alles andere als schön. Die ersten Meter sind noch mit Stahlseilen versichert. Später geht es einfach nur noch steil über Schutt und Geröll bergab. Immerhin konnte ich eine ganze Herde Gemsen beobachten.

Der Abstieg zieht sich und ich erreichte erst gegen 19:30 das Tal. Da es hier so gut wie keine „Zivilisation“ gibt, von Unterkünften ganz zu schweigen, wollte ich heute mal draußen übernachten. Schlafsack, Isomatte und Biwacksack hatte ich ja dabei und auf dem Schwarzwald-Westweg haben wir das immerhin auch öfters gemacht. Ich fand auch eine schöne Bank auf einem größeren Platz direkt am Zaun und legte mich zum Schlafen hin.

Schon halb eingeschlafen, wurde ich von Glockenläuten wach, nur um entsetzt festzustellen, dass eine Kuh Herde direkt auf mich zukam. Noch halb verschlafen, kletterte ich aus meinem Schlafsack und flüchtete hintern den Zaun, außer Reichweiter der Killer-Kühe. Immer mehr Kühe versammelten sich auf dem Platz, aber leider auch nur Kühe und kein Besitzer. Die guten Tierchen können sich hier überall frei bewegen und schienen auch keinen Meter von dem Platz weg zu wollen. Während ich also nachdachte, was ich nun machen soll, musste ich mit ansehen, wie eine der Kuh genüsslich meine Lieblingsmütze zerkaute, was ich anfangs gar nicht richtig registriert habe. Um meine restlichen Sachen zu retten, die immer noch auf der Bank vor dem Zaun lagen, „bewaffnete“ ich mich mit einem großen Stock. Mit wildem in der Luft Rumfuchteln schaffte ich es die Kühe immerhin so weit zu vertreiben, dass ich an meine Sachen kam.

Abgesehen von meiner Mütze wieder mit allen Sachen vollzählig, bliebt mir nichts anderes übrig, als nach einem neuen Schlafplatz zu suchen. Da es mittlerweile schon 21:30 Uhr ist musste ich an den eh schon langen Tag noch eine kleine Nachtwanderung anhängen. Die Suche erweist sich als recht schwierig, so dass ich mich letzten Endes einfach auf den Waldboden gelegt habe. Natürlich hatte ich mir den Platz diesmal penibel so ausgesucht, dass mich die feindliche Flora und Fauna diesmal nicht im Schlaf stören konnte. Die Vorsicht war auf jeden Fall angebracht! Hier kann schließlich hinter jeder Ecke eine Kuh lauern!

Der einzige Vorteil meiner Nächtlichen Aktion war, dass ich noch zwei Sternschnuppen beobachten konnte. Schlaf habe ich in dieser Nacht trotzdem nicht viel gefunden, da es im Wald und vor allem auf dem Boden (trotz Biwacksack) ziemlich nass wurde. Schon nach einer Stunde war mein ganzer Schlafsack durch und ich habe den Rest der Nacht frierend damit verbracht, auf die Uhr zu schauen und zu warten, bis es endlich 5 Uhr wurde damit ich weiter gehen konnte.

Rückblickend ziemlich lustig, war diese Nacht aber einer der Tiefpunkte der gesamten Tour.

Tag 6: Kastenalm – Glungezer Hütte

Gehzeit
0 h
Strecke
0 km
Aufstieg ↑
0 hm
Abstieg ↓
0 hm

Pünktlich um 5 Uhr, noch im Schein der Taschenlampe, packte ich meine sieben Sachen und ging weiter. Gegen 6:30 Uhr erreichte ich das Hallangerhaus, in dem es noch immer dunkel war. Nur drei Leute machten sich davor fertig um, wohl noch vor dem Frühstück, los zu kommen.

Wie schon die letzten Tage, begann auch dieser Tag mit einem Aufstieg. Und ebenfalls wie an den letzten Tagen ging es danach direkt wieder in den Abstieg über, der sich diesmal auch wieder ganz schön gezogen hat. Teils auf recht unwegsamen und schlammig, rutschigen Wegen wurde ich prompt auch etwas dreckig.

So leicht wie es in den Bergen ist den Weg zu finden, so schwer ist es bekanntlich in der Zivilisation. Kurz vor unserem Treffpunkt in Hall bin ich natürlich gleich irgendwo falsch abgebogen und einen Ort zu weit gelaufen. Erst als es mir etwas komisch vorkam, dass es so lange dauert, habe ich nach dem Weg gefragt und traf erst gegen 11:30 in Hall am Treffpunkt ein.

Nach dem Wiedersehen, Mittagessen und einem kurzen Austausch, wie denn der letzte Tag war, ging es ab Hall mit dem Bus weiter zur Seilbahnstation von der aus wir im Sessellift in fast 30 Minuten zur Bergstation befördert wurden. Wenn man zu Fuß gelaufen wäre, hätte diese Strecke einen zusätzlichen Tag bedeutet, so dass ich hier ohne schlechtes Gewissen die Seilbahn nehmen konnte. Zumal es von der Bergstation nochmal gut 600 hm bis zur Glungezer Hütte, dem heutigen Etappen-Ziel, sind. Der Weg zur Hütte verläuft erst über Ski-Pisten und danach über Geröll und Steine (alles in der prallen Sonne), bis man schließlich das Etappen-Ziel auf 2610 m erreicht. Heute kamen wir auch den ersten Tag mal nicht so spät (17 Uhr) an und hatten noch ein bisschen was vom Tag.

Die Hütte ist meiner Meinung nach eine der besten des gesamten Weges und das obwohl es keine Duschen gibt. Für alle die, die keinen Platz mehr in den Zimmern bekommen, sind draußen Zelte mit dicken Schlafsäcken aufgestellt, was ich so noch nie gesehen habe. Jeden Abend nach dem Abendessen erzählt der Hüttenwirt, wie das Wetter die nächsten Tage wird, gibt eine kurze Erklärung zum vorausliegenden Wegabschnitt und jeder München-Venedig-Wanderer bekommt einen „Glücksstein“. Wenn man diesen „Glücksstein“ in Venedig in die Lagune wirft und ein Beweisfoto davon macht, bekommt man vom Hüttenwirt einen Gutschein für eine Übernachtung.

Wegen der Ereignisse der letzten Nacht, war ich total müde und k.o. weshalb ich recht schnell ins Bett gegangen bin.

Der Traumpfad München-Venedig – Erfahrungsbericht

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