28.07.-03.08.2024
Einmal im Leben wollte auch ich gerne „hoch hinaus“ – inspiriert durch die vielen Bergbesteigungen, die Christoph bereits in den letzten Jahren erfolgreich absolviert hat. Die Pointe nehme ich gleich vorweg: ich habe es nicht geschafft, mein „Buddy“ Christoph allerdings mühelos😊
Wir haben die 5-tägige Trekkingreise mit Besteigung des Ararat bei AT-Reisen gebucht, die unter anderem die Beschaffung der Genehmigungsnummer für das Sondervisum Ararat, Ort- und Staatsgebühren sowie die Gipfel-Genehmigung für den Ararat vornahmen.
Der Ararat – ein Stratovulkan – befindet sich im östlichsten Teil Anatoliens. Er ist mit seinen 5.137 m der höchste Berg der Türkei. Zudem soll in dessen direkter Nähe der angebliche Fundort der biblischen Arche Noah sein.
Vor Antritt unserer Reise mussten wir dem Reiseveranstalter einige Angaben zu unseren bisherigen Bergerfahrungen mitteilen. Da konnte Christoph gut punkten. Bei mir sah es diesbezüglich etwas „blasser“ aus, aber jeder hat ja mal klein angefangen.
Robby chauffierte uns am 28. Juli 2024 früh morgens zum Flughafen nach Stuttgart. Mit dem Flieger ging es via Istanbul nach Van.
In Van wurden wir vom Agenturleiter von Ceven-Travel Kemal und Norbert (einer der Ansprechpartner vor Ort) begrüßt. Norbert war unser Reisebegleiter während der längeren Busfahrt entlang des Van-Sees nach Dogubeyazit. Er erzählte uns viel über Land und Leute und hat uns weitere Informationen zu unserer Tour geliefert.
Nach dem Check-in im Hotel Butik Ertur bezogen wir unser kleines Doppelzimmer. Beim Abendessen lernten wir zudem unsere weiteren Ansprechpartner kennen.
Nachdem wir unser Gepäck für die nächsten Tage sortiert hatten, fielen wir erst einmal todmüde ins Bett – ich, zugegebenermaßen mit einer gewissen Unruhe, weil ich mit noch nicht recht vorstellen konnte, wie so eine Bergbesteigung ablaufen wird.
Am nächsten Morgen sahen wir ihn dann endlich von der Dachterrasse des Hotels: den majestätischen Bergriesen Ararat! Das war ein spektakulärer Anblick! Mir rutschte gleich das Herz in die Hose – auf den wollen wir tatsächlich hinauf?!?
Nach dem Frühstück und der Verladung unseres Gepäcks ging es per Jeep in die Nähe von Eli, einem kleinen Dorf, zum Ausgangspunkt der Bergbesteigung. Unterwegs stieg unser persönlicher einheimischer Bergführer (tatsächlich nur für uns zwei!) Faruk, ein ganz netter Typ mit dürftigen Englischkenntnissen, zu.
Das schwere Gepäck wurde auf Mulis geladen und wir die starteten unsere Tour nur mit dem Tagesrucksack auf dem Rücken zum Green-Camp 1 auf ca. 3.200 m. Diese erste Etappe war relativ leicht zu bewältigen, obwohl es langsam, aber stetig bergan ging. Der Ararat hatte sich leider hinter Wolken versteckt, aber dafür entschädigte die weitläufige und schöne Landschaft. Nach ungefähr der Hälfte der Strecke legten wir eine Rast bei einer kurdischen Nomadenfamilie, die uns mit süßem Tee bewirtete, ein.
Im Camp 1 angekommen, waren wir die ersten und vorerst einzigen Bergbezwinger, so dass wir uns sogar unser Zelt aussuchen konnten. Das Abendessen, von freundlichen Bergköchen zubereitet, konnten wir in aller Ruhe genießen. Damit wir uns besser an die Höhe gewöhnen, war noch etwas Zeit, die nähere Umgebung zu erkunden.
In der ersten Zeltnacht bekam ich höllische Kopfschmerzen – ein Zeichen dafür, dass sich mein Körper keineswegs an die Höhe angepasst hatte. Allerdings wurde ich mit einem wundervollen Anblick des Sternenhimmels, den ich ohne Lichtverschmutzung genießen konnte, entschädigt.


















Der nächste Tag, der sogenannte Akklimatisationstag, diente der Höhenanpassung. Wir stiegen zu Camp 2 auf 4.170 m auf. Das war schon eine andere „Liga“ – zumindest für mich. Die letzten Höhenmeter hatte ich ganz schön zu kämpfen. Nach einer ausgiebigen Pause im Camp 2 kehrten wir ins Camp 1 zurück.
An dem Abend traf eine größere Gruppe, die bereits einen anderen Berg, den Mount Artos (3.537 m) mit ihren zwei Bergführern bestiegen hatte, im Green-Camp ein. Das Camp füllte sich langsam. Nach einem gemeinsamen Abendessen und ein bisschen Smalltalk verschwanden alle in ihren Zelten.
Ziel des nächsten Tages war es, dass beide Gruppen mit allem Gepäck zum Camp 2 aufsteigen, um dort die Nacht zu verbringen. Die armen Mulis wurden mit den schweren Lasten beladen (Zelten, Matten, Kochutensilien, Essen, Getränke, Gepäck der Bergtouristen) und trugen unabhängig von uns den ganzen Ballast auf dem recht steilen und steinigen Weg nach oben.




Von Camp 2 aus hatte man einen grandiosen Ausblick auf die Umgebung. Allerdings war es lausig kalt und windig, so dass wir uns nicht lange im Freien aufhalten konnten. Ein „Toilettengang“ wurde echt zur Herausforderung ….
Den Rest des verbliebenen Tages nutzen wir, um unsere Ausrüstung für den nächsten Tag, dem Gipfeltag, vorzubereiten. So gut es unter den gegebenen Umständen ging, ruhten wir uns aus und verschwanden zeitig in unseren Zelten, da wir (die andere Gruppe ging gut eine Stunde später los) in der Nacht gegen 1.00 Uhr zum Gipfel aufbrechen sollten. Vor lauter Aufregung konnte ich nicht wirklich schlafen. Mir gingen gefühlt tausend unnötige Gedanken durch den Kopf.








Gipfeltag
Morgens, also „nachts“, war ich dann auch entsprechend neben mir. Wir tranken noch heißen Tee und knabberten ein bisschen am Essen herum, aber dann ging es endlich los. Den Tagesrucksack gepackt, dick angezogen und die Stirnlampe auf dem Kopf, startete der Aufstieg. Ich kam leider nur sehr langsam voran. Jeder Schritt nach oben war für mich eine echte Herausforderung. Zudem plagten mich zunehmend Übelkeit und Kopfweh. Faruk war sehr rücksichtsvoll und hat sich laufend nach meinem Befinden erkundigt. Weit unter uns sahen wir schon die Stirnlampen der anderen Gruppe. Auf ca. 4.600 m haben wir, also Faruk und ich entschieden, dass es aus gesundheitlichen Gründen besser für mich wäre, wieder abzusteigen. Mir war sooo übel und der Kopf brummte wie ein oller Motor. Christoph war nicht sehr „amused“ über diese Entscheidung und ich total unglücklich, weil ich mein Traumziel nicht erreichen würde. Die andere Gruppe war inzwischen fast zu uns aufgeschlossen, so dass Christoph mit dieser Gruppe weiter zum Gipfel aufsteigen konnte. Faruk und ich stiegen zum Camp 2 ab. Völlig platt bin ich ins Zelt gestolpert und sofort in einen nicht erholsamen Schlaf gefallen.




Gipfeltag Christoph
Nachdem wir uns getrennt hatten, stand ich noch eine ganze Weile rum und habe gefroren, bis die andere Gruppe bei uns war. Den Weg zum Gipfel hätte ich zwar auch allein gefunden, aber man muss hier am Ararat mit einem lokalen Guide unterwegs sein. Mit nur zwei kürzeren Pausen, bei denen sich einer unser Mittstreiter übergeben hat, haben wir den weiteren Weg bis zum Gipfel bewältigt. Den ganzen Aufstieg über war es neblig und bewölkt. Wir hatten aber riesen Glück. Kurz bevor wir den Gipfel erreichte haben, brach die Wolkendecke auf und wir hatte eine super Aussicht und Sonne pur. Um 6:40 Uhr war es so weit, wir standen auf dem Gipfel des Ararat. Eigentlich wollten wir ja zusammen hier stehen, aber am Ende hat es leider nicht geklappt. Nach dem obligatorischen Gipfelfoto und einer längeren Pause traten wir wieder den Rückweg ins Camp an.
Abstieg und Abreise
Am nächsten Morgen warteten die im Camp Verbliebenen auf die Rückkehr der Gipfelstürmer. Diese kamen nach und nach geschafft, müde, aber erfolgreich den Berg herunter. Ich habe mich riesig gefreut, dass Christoph auf dem Gipfel des Ararat stehen konnte! Ich hätte so gerne neben ihm stehen wollen!!!!
Allen Gipfelbezwingern war eine längere Rast- und Erholungsphase im Camp 2 gegönnt. Ohne Hast und Eile wurden dann die Zelte abgebaut und die armen Mulis, die erneut einen Aufstieg ins Camp 2 vollbringen mussten, wurden wieder mit dem gesamten Gepäck beladen, um es ins Green-Camp zu bringen. Wir übernachteten ein letztes Mal in unseren Zelten.
Nach einem letzten Bergsteigerfrühstück und der Übergabe der wohlverdienten Trinkgelder an die Bergführer, Köche und weiteren Begleitpersonen stiegen wir alle zusammen nach Eli ab. Dort wurden wir abgeholt und zurück ins Hotel nach Dogubeyazit gefahren.
Lange überfällig und heiß ersehnt, stiegen wir unter die Dusche und wechselten endlich die Kleidung. Der Rest des Tages stand zur freien Verfügung. Am späten Nachmittag besichtigten wir noch den Ishak-Pascha-Palast, einen Teppichbasar und anschließend gab es für alle ein üppiges Abendessen, bei dem wir die Eindrücke der letzten Tage Revue passieren ließen, bevor wir eine letzte Übernachtung im Hotel Butik Ertur genossen.
Am Morgen noch ein Blick auf den majestätischen Ararat, bevor unser Transfer nach Van erfolgte. Der Flieger brachte uns pünktlich nach Istanbul. Auf dem Flughafen gönnten wir unseren strapazierten Körpern eine Kopf-/Nackenmassage. Dann ging es mit dem nächsten Flugzeug nach Stuttgart, wo uns Robby und Bianca bereits erwarteten.
Ich weiß jetzt, dass ich es nicht so „eilig“ hätte haben sollen, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich doch noch den einen oder anderen Tag zur Akklimatisierung benötigt hätte. Dennoch war es eine wundervolle, interessante und wirklich sehr schöne Tour mit Christoph, die ich eigentlich gerne noch einmal machen würde – dann aber erfolgreich😊






Das war für mich eine spannende Geschichte, die ich hier lesen konnte.
MeineHochachtung!!!!!! Aber ehrlich, ich bin froh sie NUR GELESEN zu haben und nicht dabei gewesen zu sein ( …mich hätte ja auch Keiner mitgenommen)
Ich möchte noch ein großes Lob an den Berichtschreiber vergeben. Durch die anschauliche, lebendige und facettenreiche
Darstellung konnte ich eure Bergbesteigung beim Lesen super miterleben.