„Nein, ich will heute nicht aufstehen! Alles ist nass und kalt, selbst in meinem Zelt und wie muss es wohl erst draußen sein“, denke ich mir, stehe dann aber doch auf. Im Verlauf des Tages wird es dann auch noch, allen Zweifeln zum Trotz, richtig schön (wettertechnisch der schönste Tag der ganzen Kili-Tour), so dass ich am Abend sogar einen leichten Sonnenstich habe und auch ein bisschen verbruzelt bin.
Über einen mäßig steilen Weg geht es Schritt für Schritt nach oben, Richtung Lava Tower. Der ist der höchste Punkt unserer heutigen Etappe. Danach geht es wieder bergab und am Ende ist man fast wieder auf der gleichen Höhe, auf der man morgens gestartet ist. Auch in dieser Nacht hat es weiter oben wieder geschneit und der Schnee liegt heute bis noch tiefer als gestern schon, so dass wir bereits ab ca. 4200 m durch Schnee laufen. Der, aufgetaut durch die Sonne, ziemlich wässrig und matschig wird, je später es ist. Die meisten Träger sind nicht wirklich auf Schnee vorbereitet und haben keine Sonnenbrillen, was bei dem wolkenlosen Himmel heute ein fataler Fehler ist. Noch am Abend sieht man sie, wie sie sich die Augen mit Schnee kühlen.
Karin und Sven sind heute irgendwie total platt und bleiben alle paar Meter schnaufend stehen, so dass ich mit unserem Assistent-Guide Coleman schon mal vorgehe. Wir machen dann aber doch ab und an eine Pause, um auf den Rest zu warten und nicht zu sehr auseinander zu laufen. Am Lava Tower angekommen, legen wir dann noch eine längere Pause ein, da der anstrengendste Teil des heutigen Weges geschafft ist und das Lunchpaket gegessen werden will. Der Lava Tower befindet sich direkt am Kibo und der Gipfel scheint von hier aus zum Greifen nahe zu sein.
Mittlerweile steht die Sonne seit Stunden hoch am Himmel und der Weg bergab vom Lavatower hat sich, durch den ganzen geschmolzenen Schnee, in einen reißenden Bach verwandelt. Obwohl es ein Weilchen dauert, meistern wir auch diese Passage ohne Probleme. Karin und Sven sind schon wieder weit zurückgefallen, als wir in ein von Felswänden umgebenes Tal absteigen. Am untersten Punkt des Tales befindet sich unser Schlafplatz für heute, das Barranco Camp, das man schon von recht weit oben sehen kann. Auch dieses Camp ist recht groß und es stehen schon eine Menge Zelte herum. Nur wenige Meter gegenüber vom Camp befindet sich die Barranco Wall (auch Breakfast-Wall genannt), die es morgen zu bewältigen gilt. Ich bekomme Tee und Popcorn und gut eine halbe Stunde später, trudeln dann auch Sven und Karin ein, die ziemlich geschafft aussehen. So ist dann auch zum Abendessen die Stimmung auf dem absoluten Tiefpunkt. Die Moral ist so niedrig, dass beide schon Pläne machen, wo und wie sie morgen am besten absteigen können… Karin ist übel und sie hat Kopfschmerzen und Sven ist einfach nur platt. Auch ich habe von der ganzen Sonne heute leichte Kopfschmerzen, Sonnenbrand und einen total heißen Kopf bekommen, aber sonst ist alles bestens. Deshalb versuche ich beide zu beschwichtigen und sage ihnen, sie sollen erst mal abwarten bis morgen früh, um dann mal weiter zu schauen. Am Abend ziehen dann wieder, wie fast jeden Tag, Wolken auf. Es bleibt vorerst ruhig und fängt erst früh am Morgen an zu regnen.
Kilimandscharo über Machame Route und Mt Meru – Erfahrungsbericht
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