Fazit nach einem Jahr USA

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Fazit Bianca

Wir sind angekommen!

Betrachten wir die Situation heute, ist langsam Alltag eingekehrt. Bis dahin war es aber ein kleiner, steiniger Weg. 

Als wir vor einem Jahr hier angekommen sind, bezogen wir erstmal unsere temporäre Unterkunft für 6 Wochen. Sechs Wochen in den es einiges zu erledigen gab: Wohnungs-/ Haussuche, Bankkonto eröffnen, SSN Nummer (sowas wie Steuernummer), … bekommen. Das Aufwendigste daran war die Haussuche, da im Winter die Mieten zwar günstiger sind, aber einfach nicht so viele Leute umziehen, es also nicht so viel im Angebot gibt. Am Ende waren die 6 Wochen schon fast knapp, hat aber alles noch geklappt. Damit war es aber nicht zu Ende. Mit einer festen Adresse konnten wir nun auch Autos kaufen und unseren Führerschein in einen amerikanischen umtauschen.

Weihnachten kehrte erstmals ein wenig Ruhe ein und wir buchten unseren ersten kleinen Urlaub an der rauen Pazifikküste. Glücklicherweise konnte Christoph ab Januar einen Kita Platz im Betriebskindergarten erobern. Somit konnte ich mit der Jobsuche anfangen und fand relativ schnell einen fast schon Traumjob für amerikanische Verhältnisse ab Ende März. Ab da würde ich sagen: Wir sind angekommen! 

Neben dem ganzen Organisatorischen versuchten wir immer wieder kleinere Wochenendausflüge, mit und ohne Übernachtung, um die nähere Umgebung besser kennenzulernen. Ich glaube, wir kennen inzwischen fast jeden Spielplatz in Portland. Ausflüge nach Washington (Norden), Richtung Mt. Hood (Osten), Pazifik (Westen) und Bend (Süden) sind auch immer wieder drin, egal ob Hotel oder Camping.

Urlaubstage gibt es in den USA nicht so viele, deshalb mussten wir uns den gut einteilen. Im Februar (bevor meine Arbeit losging), begann unsere erste große Tour mit vielen Highlights in Utah und Arizona, im September waren wir noch auf Hawaii und für November planen wir 4 Tage Kalifornien. Unser Plan ist weitestgehend alle unsere Urlaube (bis auf die Deutschlandbesuche) auf amerikanischem Staatsgebiet zu erleben. Wer weiß, was nach den 3 Jahren passiert?! 

Neben der Familie habe ich hier noch eine Freizeit-Hockeymannschaft gefunden und mache aktuell einen Hip-Hop-Tanzkurs. Nennt man das dann Integration? 

Leider wurde unser Mietvertrag nach einem Jahr nicht verlängert und so sind wir aktuell wieder auf Haussuche. Da fühlt man sich gerade wieder ein Jahr zurückversetzt. Aber auch diesmal wird uns Christoph’s Firma unterstützen. Und es gibt nichts, was wir nicht schaffen könnten!

Fazit Christoph

Vom “Auswandern” an sich bin ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Ich hatte mir eine „Lebensverändernde Erfahrung“ oder zumindest etwas mehr Abenteuer erhofft. Vielleicht liegt es daran, dass ich meinen alten Job behalten habe und wieder mit genau den gleichen Leuten zu tun habe, dass wir viel Unterstützung bei der Haussuche, Steuer, etc. erhalten oder dass unser Aufenthalt hier zeitlich begrenz ist. Auf jeden Fall fühlt es sich eher so an, als ob ich einen längeren Urlaub mache und von unterwegs nebenher arbeiten würde.

Die USA sind auch ganz anders als ich erwartet habe. Zugegeben, Portland ist nicht mit einer typischen US-Großstadt zu vergleichen. Außerdem leben wir in gewisser Weise in einer Blase. Wohnen in einer guten Wohngegend und haben fast nur mit Menschen, die auf ähnlichem Niveau leben zu tun. Trotzdem hätte ich es mir anders vorgestellt. Ein paar Standard-Klischees treffen natürlich zu. Große Portionen, große Getränke, alles mit Zucker versehen und unverschämte Trinkgeld-Forderungen. Aber Waffen haben ich bis heute nicht im Walmart gefunden.

Das alles heißt natürlich nicht, dass mir Portland nicht gefallen würde. Im Gegenteil. In Portland und der näheren Umgebung gibt es unzählige Outdoor-Möglichkeiten und unberührte Natur. Mit einem kleinen Kind sind wir da zwar etwas eingeschränkt, es gibt aber dennoch so viel zu entdecken. Einziger Nachteil ist natürlich, dass alles nur nach mehr oder weniger langer Fahrt zu erreichen ist. Ich habe aber ewig nicht mehr so viele Tiere in der freien Natur gesehen wie hier. (Und natürlich ist alles besser als Stuttgart).

Auch wenn ich Hefeweizen, Brezeln und Backwaren ohne Zucker vermisse, habe wir uns hier mittlerweile ganz gut eingelebt. Anfangs war es natürlich nervig, den ganzen bürokratischen Mist zu bewältigen, aber bei Vielem wurden wir zum Glück unterstützt. Das unser erster Mietvertrag nach 12 Monaten ausgelaufen ist, war natürlich so auch nicht geplant. Wir wären viel lieber in unserem jetzigen Haus bis zum Ende geblieben. Aber ich denke unser neues Haus ist auch nicht schlecht und so bekommen wir immerhin die Möglichkeit nochmal einen anderen Stadtteil zu entdecken. Ich frage mich nur, wie wir jemals wieder in eine kleine Wohnung ziehen sollen.

 

 

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